postheadericon Der weiße Boxer

1900 wurde vom "deutschen Boxerclub" ein Rassestandard festgelegt, der im Laufe des folgenden Jahrhunderts vielen Tieren das Leben kosten sollte: die Farben schwarz und weiß wurden als "Fehlfarben" deklariert. Das führte dazu, dass Welpen, die mit diesen Farben auf die Welt kamen, schon kurz nach der Geburt ermordet wurden. Als offizieller Grund für das Töten der augenscheinlich gesunden Tiere, wurden Krankheiten angegeben, die noch heute als Vorurteile in den Köpfen vieler Menschen herumgeistern. Das Widersprüchliche an der Behauptung alle Weißen Tiere seien krank, ist die Tatsache, dass die Gesundheit der Hunde nie überprüft werden konnte, da sie nicht am Leben gelassen wurden. Ein weiteres kaum bekanntes Detail: der Rüde, der nach der Gründung des Deutschen Boxerclubs in München 1896 in das angelegte Zuchtbuch mit der Nummer eins eingetragen wurde, war "Mühlbauers Flocki", ein Schecke. Die Hündin die mit der Nummer 30 eingetragen wurde, war "Meta von der Passage" eine weiße Hündin mit einem gestromten Fleck am Kopf.


Als 1900 dann die Rassestandards, also unter anderem Bemuskelung, Wesen und natürlich auch Fellfarbe festgelegt wurden, stellten die Zuständigen fest, dass die Farbe schwarz kaum vorkam und weiß für einen Diensthund, der der Boxer ursprünglich werden sollte, nicht wirklich für geeignet befunden wurde, legte man diese beiden Farbschläge als Fehlfarben fest. Damit wurde das Todesurteil für viele Hunde gefällt.

Taubheit und Hautkrankheiten die bei Albinos durchaus vorkommen wurden für die Weißen oft als Tötungsgrund vorgeschoben, ungeachtet der Tatsache, dass sie keine Albinos sind.

Trotz starker Selektion konnte die "weiße Linie" nie ganz aus der Zucht verbannt werden und heute ist die Zucht sogar schon so weit, dass auch die Fehlfarben Papiere bekommen. Allerdings mit dem großen Aufdruck: "Zucht- und Ausstellungsverbot". Das die Weißen heute am Leben bleiben dürfen, hat nicht ausschließlich mit einer neu aufgekommen Toleranz der Züchter und des Boxerclubs zu tun, sonder zu großen Teilen mit dem Gesetz, dass es untersagt, gesunde Tiere grundlos zu töten. Die Dunkelziffer der illegal getöteten Welpen dürfte allerdings auch heute noch sehr hoch sein.

Hoffen wir, dass sich auch das in den nächsten Jahren ändert und bald gleiches Recht für alle herrscht.